CHANCE+: Schulung „Recht und Asyl“ gibt es jetzt online

Wer Geflüchtete bei der Suche nach Arbeit kompetent beraten möchte, muss sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auskennen. Um Mitarbeitende fit zu machen für die Beratung von Geflüchteten, wendet sich das Netzwerk „CHANCE +“ mit der Schulung „Recht, Asyl, (Aus)Bildung und Arbeit“ gezielt an Mitarbeitende von Jobcentern und Agenturen für Arbeit. Vor Corona wurde das bewährte Angebot in Präsenz durchgeführt. Corona bedingt musste ein Weg gefunden werden, um die Schulungen online stattfinden zu lassen. Nachdem technische und datenschutzrechtliche Hürden genommen waren, konnten ab März 2021 die Schulungen online wieder starten.

Simone Beule (Teilprojekt Caritasverband für die Stadt Köln e.V.) ist eine von drei CHANCE+ Dozentinnen. Die Menschen, die zu ihr kommen, haben alle möglichen Aufenthaltstitel und unterschiedlichste Anliegen. Durch diese Arbeit hat sie durch die oftmals komplexen Fälle die relevanten Paragraphen kennengelernt. Sie weiß aus Erfahrung, wann welche Schritte unternommen werden müssen, damit der Zugang zum Arbeitsmarkt geschaffen werden kann. „Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Aufenthaltsdokument, das nur drei Monate gültig ist. Mit so einer Unsicherheit stellt Sie kein Arbeitgeber ein.“ Andererseits braucht man einen Arbeitsplatz um Integrationswillen zu bekunden und eine sichere Bleibeperspektive zu erlangen. In dieser Zwickmühle befinden sich viele geflüchtete Menschen. „Ich möchte Türen öffnen, die geschlossen waren. Ich verstehe mich als Türöffnerin.“

Im Auftrag des IvAF* Netzwerkes CHANCE+ erläutert sie während der Online-Schulung „Recht und Asyl“ gesetzliche Grundlagen für die Beratung von Menschen mit Fluchthintergrund bei der Arbeitssuche. Das komplexe Thema wird anhand einer PowerPoint Präsentation erläutert, die das Bundesarbeitsministerium autorisiert hat. Die Folien werden regelmäßig aktualisiert, damit die Informationen rechtlich am Puls der Zeit sind.

Simone Beule schafft es, das umfangreiche Thema interessant und verständlich zu vermitteln. „Ich möchte den Teilnehmenden aktuelles Fachwissen vermitteln, für das Thema sensibilisieren und sie neugierig auf kulturelle Hintergründe machen.“ Durch die praxisnahen Beispiele und die Expertise, die die Dozentinnen einfließen lassen, wird die freiwillige Schulung gut angenommen.

Eine der Teilnehmerinnen der ersten Online Schulung im März war Silke Karau. Sie ist Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Köln und unterstützt seit vielen Jahren junge Menschen bei der Suche nach der richtigen Berufsausbildung. Seit März 2018 nimmt sie sich insbesondere der Anliegen junger Geflüchteter (zunächst im Integration Point Köln) an. Auch wenn die rechtliche Lage komplex und die Arbeit emotional herausfordernd ist, arbeitet Karau sehr gerne mit der Personengruppe. „Es ist ein schönes und zuverlässiges Miteinander.“ Nachdem der Integration Point Köln in 2020 umstrukturiert wurde, ist sie heute Teil eines Berufsberatungsteams, in dem sie weiterhin auch für junge Menschen mit Fluchthintergrund zuständig sein kann.

Da das Aufenthaltsgesetz immer wieder angepasst wird, sei es nicht leicht den Überblick zu behalten. Trotz ihrer langjährigen Erfahrung hat sie von der CHANCE+ Schulung profitiert. „Das ist eine sehr gute Schulung gewesen“. Es kamen viele aktuelle Themen zur Sprache: „Wir konnten viele Fragen stellen, die alle beantwortet wurden.“

Auch für Sebastian Noll, der als Integrationsfachkraft (IFK) im Jobcenter im Geschäftsbereich Süd arbeitet, war die Schulung eine sinnvolle Sache. Zwar habe er nicht alltäglich mit Geflüchteten und Asylbewerber*innen zu tun. „Aber die Möglichkeit in Ruhe rechtliche Hintergründe nachschlagen zu können und zu wissen, wo man Ansprechpartner*innen findet, ist gut.“ Insofern habe ihm der Workshop eine gute Übersicht vermittelt.

Silke Martmann-Sprenger, Projektleiterin von CHANCE+, sagt: „Von Mitte 2015 bis heute haben unsere drei engagierten Trainerinnen rund 1.100 Mitarbeitende in den Agenturen für Arbeit, Jobcentern sowie weitere Akteure der Flüchtlingshilfe geschult. Die neuen, digitalen Schulungen seien eine wichtige Ergänzung zum Präsenzunterricht. Interessierte könnten so zeitnah, effektiv und bei Bedarf überregional geschult werden. Erste Erfahrungen zeigen: „Das neue Angebot kommt gut an und beflügelt das ‚Netzwerken’ unter den Akteuren.“

 

CHANCE+ ist ein Projektverbund mit sechs Partnern in vier Städten / Regionen. In Köln zählen dazu der Caritasverband, der Katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit e.V. (IN VIA) sowie das Jobcenter Köln. In Bonn übernimmt der Kölner Flüchtlingsrat e.V. die Betreuung und Vermittlung der Teilnehmer*innen, in Düsseldorf und dem Kreis Mettmann die jeweiligen Caritasverbände. Koordiniert wird CHANCE+ vom Jobcenter Köln. Das Projekt CHANCE+ wird im Rahmen der ESF-*Integrationsrichtlinie Bund, Handlungsschwerpunkt Integration von Asylbewerberinnen, Asylbewerbern und Flüchtlingen (IvAF) durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

 

TEXT und Bilder

Barbara Bechtloff