Dankbar hier zu sein

2015 musste Mohammad Alkathib sein Land verlassen. Nach einer Zwischenstation im Sauerland lebt der Jurist nun in Köln, wo er nach einer Erstberatung im Integration Point seit 2016 auch in der Intensivbetreuung von CHANCE+ ist. Der 27-Jährige spricht schon sehr gut Deutsch und unterstützt bei der Diakonie Köln ehrenamtlich andere Flüchtlinge. Zudem hat er ein Praktikum in der Rechtsabteilung der Stadt Köln absolviert. Zurzeit arbeitet Alkathib bei einem Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Asylrecht.

CHANCE+: Herr Alkathib, wie gefällt Ihnen Deutschland?

MA:  Ich mag die Menschen. Ich habe bislang sehr viele hilfsbereite und nette Leute kennengelernt. Außerdem liebe ich die Ordnung hier. Alles ist gut organisiert, wie zum Beispiel die Universität und das Studium.

CHANCE+: Was haben Sie in Syrien gemacht?

MA: Nach meinem Abitur habe ich Jura an der Universität in Damaskus studiert und dort den Bachelor of Laws, also der Rechtswissenschaft, erworben. Während meines Studiums habe ich mehrere Jahre lang bei einem Rechtsanwalt assistiert. Bis zu meiner Flucht habe ich dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni gearbeitet.

CHANCE+: Was sind Ihre Pläne hier in Deutschland?

MA: Am liebsten würde ich den Master in Jura machen. Leider muss ich dafür das Fach noch einmal komplett neu studieren. Und ehrlich gesagt: Jura war schon auf Arabisch sehr anstrengend (lacht). Deshalb überlege ich, ob ich auf Mathematik oder Informatik umschwenke. Zurzeit besuche ich bereits einen Mathekurs. Ich will testen, ob mir das Spaß macht und ich genügend Grundkenntnisse besitze.

CHANCE+: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

MA: Ich treffe mich mit Freunden oder bin einfach nur zu Hause und erhole mich von der Woche. Ich lese viel.

CHANCE+: Auf Arabisch?

MA: Natürlich, aber vor allem auf Deutsch. Egal für welches Studium: Ich brauche gute bis sehr gute Sprachkenntnisse.

CHANCE+: Wie sieht Ihre Woche denn aus?

MA: Jeden Vormittag gehe ich zum Deutschkurs. Der dauert drei Stunden. An zwei Tagen fahre ich danach nach Erftstadt , wo ich bei einem Anwalt arbeite. An den anderen Nachmittagen gehe ich zur Uni. Freitags bin ich dann ziemlich erschöpft und freue mich aufs Wochenende.

CHANCE+: Können Sie sich vorstellen in Deutschland zu bleiben?

MA: Deutschland ist mein Traumland. Ich bin Frau Merkel sehr dankbar, hier zu sein. Aber natürlich vermisse ich meine Familie – wir telefonieren täglich miteinander. Die Zukunft wird zeigen, wie es mit meinem Land weitergeht. Bis dahin möchte ich auf jeden Fall die Zeit nutzen, studieren und eine Arbeit finden.

CHANCE+: Was brauchen geflüchtete Menschen, wenn sie hier ankommen?

MA: Unterstützung. Es gibt so viele Dinge, die neu sind. Ich habe auf meinem Weg viele Menschen getroffen, die mir geholfen haben, mich zurecht zu finden. Dazu zählen auch die Mitarbeiter von CHANCE+, wie zum Beispiel Frau Kaya. Sie hat mir zahlreiche Tipps gegeben, mich bei der Übersetzung und der Anerkennung und Bewertung meiner Zeugnisse unterstützt, Praktika vermittelt und vieles mehr. Ich kann das gar nicht alles aufzählen!

CHANCE+: Herr Alkathib, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!