Ehrenamtliche unterstützen Geflüchtete bei der Integration in Arbeit und Ausbildung

Wo kann ich Deutsch lernen? Wie bewerbe ich mich richtig um einen Job oder einen Ausbildungsplatz? Was erzähle ich dem Chef in einem Bewerbungsgespräch über mich? Wer kann mich professionell beraten? In Bonn und Umgebung unterstützen Mentorinnen und Mentoren Geflüchtete bei diesen und anderen Fragen und helfen, hier „anzukommen“.

„Für Menschen von Menschen“ heißt das Mentorenprogramm, das der Kölner Flüchtlingsrat e.V. im Rahmen des Projekts CHANCE+ ins Leben gerufen hat. Das Konzept ist einfach: Ehrenamtliche begleiten Flüchtlinge aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, die in Deutschland beruflich fußfassen möchten.

Einer dieser Freiwilligen ist Jonathan (19). Der Biologie-Student hat seit einigen Monaten die Mentorenschaft eines jungen Mannes aus Eritrea übernommen. „Debesay und ich haben uns auf Anhieb gut verstanden. Die anfängliche Distanz ist sehr schnell in gegenseitige Sympathie übergegangen“, erzählt Jonathan. Er hat im Gespräch erfahren, dass der Flüchtling den Traum habe, in Deutschland eine Tischlerlehre zu beginnen. Entsprechende Vorerfahrung habe Debesay aus Eritrea mitgebracht, so der Ehrenamtliche. Seitdem setzt sich der Student für ihn ein, seinen Traum zu verwirklichen. So begleitet er ihn zu Behörden und Jobbörsen, hilft ihm bei seinem „Papierkram“ und unterstützt ihn bei der Suche nach einem Deutschkurs.

Gut die deutsche Sprache sprechen und verstehen zu können sei besonders wichtig, betont auch Jonathan, der erleben durfte, wie manch ein potenzieller Ausbildungsplatz an den noch geringen Sprachkenntnissen scheiterte: „Debesay ist manchmal frustriert, dass er nicht sofort mit seiner Wunschausbildung beginnen kann. Ich muss ihn dann aufbauen und ermutigen, zunächst weiter Deutsch zu lernen.“ Allein durch den Kontakt zu Jonathan und dessen Freundeskreis seien aber Debesays Deutschkenntnisse deutlich verbessert als noch zu Beginn der Mentorenschaft, sagt der Mentor.

Überfordert von den zahlreichen Hürden und Herausforderungen, die den Weg in den Arbeitsmarkt für seinen Mentee zu einem steinigen machen, ist der 19-jährige nicht. „Wenn ich Debesay bei einer Angelegenheit nicht weiterhelfen kann, wende ich mich an den Projektkoordinator Mostapha El-Moussaoui. Er gibt mir dann nützliche Informationen und Ratschläge. Das ist schon eine enorme Erleichterung, wenn man nicht auf sich alleine gestellt ist – dies gilt sowohl für mich als auch natürlich für Debesay.“

Es sei eine „gute Sache“, dass es solche Projekte gäbe, findet der junge Ehrenamtliche. Im Rahmen von „Für Menschen von Menschen“ könne man unterstützend wirken und dabei auch sehr viel selbst lernen, so Jonathan. „Man bekommt einen guten Einblick in die Lebensrealitäten von Geflüchteten Menschen und kann viel über ihre Geschichte erfahren, wenn erstmal Vertrauen aufgebaut worden ist.“

Für Menschen, die mit dem Gedanken spielen, selber an „Für Menschen von Menschen“ teilzunehmen, hat Jonathan einen Tipp:  „Einfach locker und entspannt bleiben und an die Mentorenschaft mit Freude, Offenheit und Geduld herangehen.“

(JE)

Weitere Informationen zum Mentor/innenprojekt “Für Menschen von Menschen” finden Sie hier.