Viele Jobvermittlungen sind krisenfest

Der Caritasverband für den Kreis Mettmann e.V. zeigt wie es geht!

 

 

 

 

„Ich bin dankbar für die Vermittlung durch CHANCE+, es hat gut funktioniert“, sagt Michael Vogelsang. Neben ihm sitzt Kidane Negash. Den Kontakt hatte Daniel Gehrmann hergestellt, Arbeitsmarktberater im Mettmanner Teilprojekt von CHANCE+, das seit 2016 mehr als 220 Teilnehmer*innen aufgenommen hat und rund 30 Prozent davon in Arbeit, Ausbildung oder Kurse zum Nachhohlen eines Schulabschlusses vermitteln konnte. Seit Anfang 2020 arbeitet Negash bei „Garten- und Landschaftsbau Vogelsang“ in Mettmann-Metzkausen. Bei einem Kaffee erzählen der 27-Jährige aus Eritrea und sein Chef, warum die Zusammenarbeit für beide ein Gewinn ist.

„Arbeit ist meine Zukunft“, sagt Kidane Negash. „Meine Eltern in Eritrea hatten ein Stück Land, aber beim Landschafts- und Gartenbau in Deutschland ist es natürlich etwas anders. Ich liebe es, hier zusammen mit den Menschen in der Natur zu arbeiten.“ Bevor er zur Firma Vogelsang wechselte, hat Negash 2018 zunächst mehrere Monate in einem anderen Garten- und Landschaftsbaubetrieb im Kreis Mettmann Erfahrungen gesammelt. Als die Stelle dort – wie in der Branche üblich – wetterbedingt zum Winter endete, nahm er eine Stelle als Küchenhelfer an – ein unsicherer Arbeitsplatz, der ihm keine Perspektiven bot.

Die Firma Vogelsang hat ihm dann durch die Unterstützung von CHANCE+ eine Vollzeitstelle angeboten. „In dem Job muss man Spaß an der Arbeit haben, weil es anstrengend ist“, betont der Chef des Unternehmens. Der 53-Jährige beschäftigt drei Mitarbeiter. Kidane Negash ist der erste Mensch mit Fluchthintergrund, den er eingestellt hat. Seit Beginn habe es mit ihm nie Konflikte gegeben: „Alle verstehen sich prima“, berichtet Vogelsang und lobt die Aufmerksamkeit und die Arbeitseinstellung seines neuen Mitarbeiters: „Wenn ich zum Beispiel telefonieren muss, sieht er sich um und sucht sich Arbeit.“ Vogelsangs Vertrauen in seine Mitarbeiter ist groß.

Negash wiederum gefallen die Arbeitsbedingungen in Deutschland. „In Eritrea ist es normal, zwei bis drei Stunden zu Fuß bis zum eigenen Feld gehen zu müssen; in Deutschland nimmt man das Auto oder den Bus, um zum Garten oder zum Feld zu kommen“, sagt er und erinnert sich: „In Eritrea haben wir Getreide noch von Hand mit einer Sichel geerntet. Mit den Maschinen in Deutschland ist die Arbeit viel leichter.“ Temperaturen Mitte 30 Grad im Hochsommer sind für ihn keine Herausforderung: „Für mich ist das normal.“

Solche Zufriedenheit auf beiden Seiten zahlt sich generell aus. Diese passgenauen Vermittlungen von Menschen mit Fluchterfahrung halten vielfach auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Das ergab eine stichprobenartige Recherche im Frühjahr 2020 im Rahmen des CHANCE+ Teilprojekts „Caritasverband für den Kreis Mettmann e.V.“. Vermittlungen in Arbeit, die sich gezielt an Interessen und Kompetenzen der Vermittelten orientiert, sowie gute Betreuung auch nach der Vermittlung erklären, warum sowohl Flüchtlinge als auch ihre Arbeitgeber*innen oder Ausbilder*innen auch in Zeiten von Kurzarbeit und unsicheren Arbeitsplätzen an Stellen festhalten. „Wir versuchen, für alle Arbeit zu finden, die ihren Wünschen und Fähigkeiten entsprechen“, sagt Gehrmann. Viele Arbeitgeber*innen suchen händeringend motivierte und begabte Mitarbeitende.“

„Dass wir trotz der Einschränkungen der Corona-Pandemie Menschen vermitteln können, liegt vor allem an unserer individuellen Betreuung, der intensiven Kompetenz- und Ressourcenfeststellung, unserem Bewerbungstraining und -coaching und unseren guten Kontakten zu Arbeitgebern“, erklärt Martin Sahler, Leiter des Fachdienstes für Integration und Migration (FIM) der Caritas und Leiter des Mettmanner Teilprojektes von CHANCE+. Er kann auf langjährige Erfahrungen seines Fachdienstes in der Projektarbeit und gewachsene Kontakte und Strukturen verweisen, die auch CHANCE+ zu Gute kommen. Finanziert wird CHANCE+, das aus insgesamt sieben Teilprojekten bei ebenso vielen Trägern besteht, vorwiegend aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS); der Caritasverband beteiligt sich mit Eigenmitteln, und der Kreis Mettmann fördert das Mettmanner Teilprojekt.

 

Daniel Gehrmann