Aufgeben ist keine Option

 

Integration ist harte Arbeit. Dass es gelingen kann, zeigen zwei Beispiele starker Frauen, für die Aufgeben keine Option ist.

 

Farah Alosi hat schon in Syrien fünf Jahre lang als Zahntechnikerin gearbeitet. 2011 brachte sie ihre Tochter zur Welt. Ihr Mann floh 2015 vor dem Krieg nach Deutschland. Farah folgte ihm mit der gemeinsamen Tochter im Rahmen des Familiennachzuges 2017. In Sprachkursen lernte sie innerhalb kurzer Zeit Deutsch. Sie absolvierte erfolgreich die Prüfungen für B1 und B2, was ihr solide Deutschkenntnisse bescheinigt. Nach knapp zwei Jahren begab sie sich in der neuen Heimat auf Arbeitssuche. „Es ist schwierig, aber man kann es schaffen“, sagt die 33-Jährige.

Mit der Hilfe von Chance+ schrieb sie Bewerbungen und ihren Lebenslauf. Nach 15 Bewerbungen auf eine Praktikumsstelle hatte sie Erfolg. Das Kölner Zahntechniklabor Intercon war begeistert von der jungen Frau und gab ihr sofort eine Festanstellung. Ganz ohne Praktikum. Bis heute sind hier alle glücklich, eine so kompetente und wissenshungrige Frau mit an Bord zu wissen. Und auch Farah fühlt sich wohl. Sie macht Fortbildungen und hat so beispielsweise das Arbeiten mit CAD/CAM gelernt. Eine Methode, bei der Zahnersatz am Bildschirm konstruiert und später in einer computergesteuerten Station gefräst und geschliffen wird. „Ich mache immer weiter!“, sagt Farah und es ist offensichtlich, dass sie sich beruflich noch weiter entwickeln möchte.

„Frau Alosi ist eine unserer beiden Expertinnen für CAD/CAM und sie zeigt jetzt allen anderen, wie das Programm funktioniert“, schwärmt Uwe Arzt. Stolz zählt der ehemalige Geschäftsführer und Freund der Firma Intercon die vielen Länder auf, aus denen die Angestellten stammen. Sein Freund und jetziger Geschäftsführer Roman Wagner führt die Firma in diesem Sinne weiter.

Neue berufliche Perspektiven für Frauen mit Fluchterfahrung

Auch Shaghayegh Kordbache hat bei Intercon ihren Platz gefunden. In Teheran war sie für ein paar Jahre als Frisörin beschäftigt. Ihr Traum war zwar immer im medizinischen Bereich zu arbeiten, aber dafür waren die Hürden im Iran zu hoch.

Als sie nach ihrer Flucht mit ihrem Mann Ende 2011 in Deutschland ankam, war sie mit Deutsch lernen beschäftigt und sie wurde erstmals Mutter. Ein paar Jahre später bekam sie ihre zweite Tochter. Die Schwangerschaft war schwierig. Shaghayegh verlor eines der beiden Zwillingskinder, mit denen sie schwanger war, und musste fast ein ganzes Jahr in einem Kölner Krankenhaus verbringen. „Es war eine sehr schwere Zeit für die Familie, aber ich habe die Zukunft nicht vergessen“, berichtet die selbstbewusste Frau.

Arbeiten wollte sie unbedingt. Sie sah die Gelegenheit, doch noch ihren Traum zu erfüllen und etwas Medizinisches zu lernen. Sie schrieb mit Unterstützung von Chance+ viele Bewerbungen für eine Ausbildung als Zahnarzthelferin. Mit zwei kleinen Kindern war Arbeiten in einer Zahnarztpraxis zeitlich allerdings nicht möglich. Nach gemeinsamen Überlegungen mit Chance+ und einer Freundin entwickelte sie die Idee, eine Ausbildung als Zahntechnikerin zu machen.

Und dann führte die heute 37-Jährige der Zufall und ihr Mut zu Intercon. Ihr Zahnarzt schickte sie in das Labor von Intercon, um den genauen Farbton für ihren eigenen Zahnersatz abzugleichen und sie fragte dort einfach nach einer Ausbildungsstelle. Zwei Tage später bekam sie das Angebot zum Probearbeiten. Schon am ersten Tag war Roman Wagner überzeugt von ihrem Talent und bot der engagierten Frau einen sechsmonatigen Praktikumsplatz an. Es passte für beide Seiten. Und so begann sie direkt im Anschluss mit der Ausbildung.

Shaghayegh ist oft traurig, weil sie ihre Familie in Teheran vermisst. Aber wenn sie an das Leben ihrer beiden hier geborenen Töchter, an deren Zukunft und an ihre eigene berufliche Perspektive denkt, ist sie sehr froh hier zu sein. „Unser Leben ist jetzt hier in Deutschland und nicht im Iran“, sagt die angehende Zahntechnikerin erleichtert.

 

Barbara Bechtloff